Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Pilotreise in der Tigray-Region – Trekking jenseits ausgetretener Pfade

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Wer kennt schon die Agame Mountains im äußersten Nordosten Äthiopiens? Eine kleine Reisegruppe will es wissen und startet an einem 3.000m hohen Pass, unweit der Grenze zu Eritrea.

5 Tage wandert die Gruppe, gemeinsam mit mir als DIAMIR-Reiseleiter, einem örtlichen Bergführer und zwei Packesel mit ihren Treibern durch herrliche Landschaft. Auf schmalen Bergpfaden entlang steiler Bergwände aus rotem Sandstein hinauf zu Plateaus mit weiter Aussicht und wieder hinunter in pastoral anmutende Täler mit kleinen Feldern, einzeln stehenden Weilern, Baumgruppen und Hecken stachliger Kakteen. Das Aussehen der Menschen und die Art der Landbewirtschaftung wirken biblisch archaisch. Ab und zu kommt es zu Begegnungen, vor allem mit Kindern. Da sie Touristen nicht gewohnt sind, sind ihre Reaktionen scheu und verhalten neugierig. Das Innere der Gehöfte aus niedrigen Steinhäusern mit Flachdach lässt die bittere Armut erkennen. Über den Innenhof gespannte Drähte sollen Leoparden davon abhalten, nachts Kleinvieh zu rauben. Höhepunkte am zweiten und dritten Tag sind die Besichtigungen geheimnisvoller Felskirchen, von denen es etwa 150 in Äthiopien gibt und die erst in den 60-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts von europäischen Forschern „entdeckt“ wurden. Sie stecken im Berg, aus dem das Material herausgeschlagen wurde, und ihre Gewölbe und Pfeiler sind geschmückt mit bildlichen Darstellungen von biblischen Szenen und Heiligen. Die Felskirche am vierten Tag bleibt der Gruppe verschlossen, weil der Priester einer Beerdigung im Tal beiwohnt.

Übernachtet und gegessen wird in „Berghütten“: aus drei Gebäudeflügeln bestehende Steinbauten mit Küche, Essraum und drei Schlafräumen mit jeweils einem Doppel- und einem Einzelbett. DIAMIR begrenzt die Teilnehmerzahl auf 6 Personen. Betreut werden die Hütten und der Gepäcktransport mit Eseln von der bäuerlichen Kooperative „Community Trekking“. Angeregt und finanziell unterstützt wurde das Projekt von einer irischen Entwicklungshilfe-Organisation. Die Betreuung der Hütten und den Gepäcktransport teilen sich die Dörfer entlang der Trekkingstrecke. Die Treiber mit ihren Eseln gehen jeweils ab Mittag bis zum Mittag des Folgetages, wo dann die nächste Mannschaft wartet. Auf diese Weise profitieren Einwohner mehrerer Dörfer von den Einnahmen aus dem Ethnotourismus. Die Unterkunftshütten liegen an ausgesucht schönen Stellen, meist auf einem Tafelberg, nahe der Abbruchkante, mit Blick in die Weite und auf die über Hunderte von Metern abfallenden senkrechten Felswände. Wegen ihrer geringen Kapazität können sie auch stets nur wenige Gäste auf einmal aufnehmen.

Die DIAMIR-Gruppe begegnet in den fünf Trekkingtagen keinen anderen Touristen. Die als „Hüttentour in der Tigray-Region“ ausgewiesene Reise führt neben dem Trekking den Besuch der alten Hauptstädte Yeha, Axum und Lalibela, eine Bootsfahrt auf dem Tanasee mit Klosterbesuch und eine Wanderung zu den Fällen des Blauen Nil im Programm.
Detlef Masny
DIAMIR-Tourenleiter