Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Äthiopien „Historischer Norden und Semien-Berge“

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Äthiopien – Kultur und Trekking
Äthiopien mit seiner reichen Geschichte, seinen einmaligen Kulturstätten und oft atemberaubend schönen Landschaften zieht Reisende an, die in dieser Kombination einen besonderen Reiz sehen. Im November 2015 waren das zehn Österreicher, zwei Deutsche und ihr DIAMIR -Tourenleiter. Nach einem halbtägigen Aufenthalt im quirligen Addis Abeba, das seit kurzem als erste Stadt südlich der Sahara über eine Stadtbahn verfügt, geht es früh am nächsten Morgen per Flugzeug nach Lalibela. Die Felskirchen Lalibelas, die oft als achtes Weltwunder bezeichnet werden, sind keine Museen, sondern religiöse Stätten, in denen Priester Messen abhalten und die zahlreiche Pilger aus dem ganzen Land anziehen. Den ersten Abend in Lalibela beschließt die Reisegruppe mit einer traditionellen Kaffeezeremonie in einem kleinen Restaurant mit herrlichem Ausblick in die weite Landschaft und den Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen starten wir zu einer ersten Wanderung zu einer 600 Meter über Lalibela liegenden Felskirche. Die Dörfer und Bauern am Wegesrand bieten ein fast biblisch-archaisches Bild. Die hinter einer Felswand und nur durch einen Tunnel zu erreichende kleine Kirche liegt rund 3.200m ü. N N. Die Wanderung dient damit auch unserer Höhenanpassung für das bevorstehende Trekking. Abends gehen wir wieder in das kleine Restaurant, wo uns nach dem Essen auch noch eine musikalische Darbietung mit Schultertanz geboten wird. Einige von uns lassen sich auch zum Tanz bitten und beweisen erstaunliche Gelenkigkeit. Die Fahrt von Lalibela nach Gondar durch sehr abwechslungsreiche Landschaft dauert einen Tag. Schon nach kurzer Fahrt halten wir spontan in einem Dorf und spazieren durch einen bunten und betriebsamen Markt. Ein besonderes Erlebnis ist der ebenfalls spontane Besuch einer Schule. Der Direktor nimmt mit Freude die reichlich mitgebrachten Schreibutensilien entgegen, was wesentlich sinnvoller ist, als sie an die überall auftauchenden „give me pen“ rufenden Kindern wahllos zu verteilen. Gondar überzeugt mit seinem beeindruckenden Palastareal, dem herrlich ausgemalten Inneren der Debre Berhan Selassie-Kirche und dem Lustschloss des Kaisers Fasilidas, in dessen Wasserbecken alljährlich zum Timkat-Fest (Taufe Jesu) das wohl größte Spektakel Äthiopiens stattfindet. Die Wanderung in den Semien-Bergen müssen wir früher antreten als geplant, weil unser Toyota Coaster Bus durch einen quer stehenden, die gesamte Breite der Schotterstraße blockierenden LKW an der Weiterfahrt gehindert wird. Reiseleiter und Guide eilen voraus und organisieren eine Trägermannschaft, die das auf dem Dach des Busses gelagerte Hauptgepäck zum Zeltcamp bringt. Die Reisegäste marschieren mit ihren Tagesrucksäcken etwa 45 Minuten bis zum Sankaber Camp. Zu allem Überfluss fängt es auch noch an zu regnen. Beim köstlichen Abendessen im Esszelt ist die gute Stimmung wieder hergestellt. Die 4 Trekkingtage mit 5 Übernachtungen im Zelt sind der Kern der Reise. Die Landschaft der Semiens muss man gesehen haben, es gibt keine vergleichbare. Ungewöhnlich in diesem Jahr ist das Wetter, das sonst um diese Jahreszeit meist wolkenlos ist. Beim Wandern am Vormittag herrscht schönstes Sonnenwetter. Mittags ziehen Wolken auf. Am zweiten Tag beginnt kurz nach dem Beziehen der Zelte ein Gewitter, und es schüttet 3 Stunden lang so stark, dass auch Nässe in die Zelte dringt. Wie wir später erfahren, handelt es sich um die Auswirkungen eines Zyklons, der in nie dagewesener Stärke den Jemen und den Golf von Aden heimgesucht hat. Wegen der Regenfälle führt der Bergbach unterhalb des Dorfes Gich so viel Wasser, dass wir beim Durchwaten froh über die Unterstützung unseres jungen Guide sind. Leichter haben es die beiden aus unserer Gruppe, die wegen akuter Magen-/Darm-Probleme auf Maultieren reiten. Wir alle genießen die Ausblicke vom 1.000 m abfallenden Steilrand der Semiens auf das zerklüftete Vorland, auf Schluchten und Felstürme, die sich mit dem am Nachmittag aufziehenden Wolken geheimnisvoll verschleiern. Herden von Geladas (Blutbrustpaviane) sitzen fotogen am Klippenrand. Vom Chennek Camp aus gelingt es unserer Malerin, sich an drei Steinböcke anzuschleichen und sie mit einem Aquarell festzuhalten. Der Reiseleiter freut sich, dass es 11 Reisegäste schaffen, den Bwahit zu erklimmen, mit 4.430 m einer der höchsten Berge Äthiopiens. Dem Trekking folgt eine ganztägige Fahrt durch meist sehr malerische Berglandschaft nach Axum und tags darauf die Besichtigung der Altertümer dieser ältesten Hauptstadt Äthiopiens, die vor allem für ihre imposanten bis zu 33 Meter hohen Grabstelen bekannt ist. Die beiden letzten Tage gehören den Felskirchen im nordöstlichen Tigray und damit der idealen Kombination von Kultur und Wandern in malerischer Natur. Nach meist einstündiger Wanderung durch Felsmassive aus rotem Sandstein erreicht man eine der rund 150 in den Fels geschlagenen Kirchen, deren Gewölbe und Pfeiler flächendeckend mit biblischen Szenen ausgemalt sind. Die Felsbastionen aus rotem Sandstein halten durchaus dem Vergleich mit den bekannten Formationen im Südwesten der USA stand. Den Abschluss unserer Reise bildet ein Bummel über den lebhaft orientalischen Markt von Mekele, der Hauptstadt der Provinz Tigray.
Detlef Masny
DIAMIR – Tourenleiter

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