Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Südafrika – Südafrika zu Fuß erleben

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14 Tage Wanderreise vom 19.10. – 31.10.2014

Mit vorschriftsmäßigen 12kg Gepäck und neu erworbenen Wanderschuhen, die die misstrauischen Blicke diverser Sicherheitsbeamter auf sich zogen, starte ich Mitte Oktober zu einer 13-tägigen Wandertour durch Südafrika. Im klimatisierten Kleinbus geht es von Johannesburg zum ehemaligen Goldgräberstädtchen Pilgrims Rest, weiter entlang der berühmten Panorama-Route zu den Bourkes Luck Potholes und anschließend zum Aussichtspunkt God’s Window. Die erste Wanderetappe unserer Gruppe, welche aus insgesamt neun Teilnehmern und unseren beiden Guides von Sunway Safari besteht, führt uns am nächsten Tag zum Blyde-River-Canyon, dem drittgrößten Canyon der Welt. Unser Lunch nehmen wir im Schatten von Yellowwood-Bäumen an einem glasklaren Teich ein, der von den Tufa-Wasserfällen gespeist wird.

Die folgenden drei Tage stehen komplett im Zeichen von Tierbeobachtungen. Es geht zum Krüger-Nationalpark und dank des wolkenverhangenen Himmels schaffen wir die „Big Five“ in nur zwei Tagen. Wir können uns vor Elefanten- und Büffelherden kaum retten. Nashörner, Giraffen, Impalas und Warzenschweine kreuzen immer wieder unseren Weg. In den Wasserlöchern Hunderte von Flusspferden. Affen haben es sich auf dem Asphalt gemütlich gemacht und lassen uns nur im Schritttempo passieren. Plötzlich herrscht Unruhe am Wegesrand: die eben noch friedlich grasenden Impalas sind wie vom Erdboden verschluckt und eine Gruppe Affen sucht schreiend in den Bäumen Schutz. Keinen Augenblick zu früh, denn nur wenige Sekunden später bricht ein Löwe aus dem Unterholz und überquert seelenruhig die Straße. Einige Kilometer weiter hat es sich ein Leopard auf einem Baum gemütlich gemacht hat und scheint sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen zu lassen. Zum krönenden Abschluss werden wir noch mit dem Anblick von zwei Geparden belohnt, die auf einer etwas erhöht gelegenen Gesteinsplattform nach Beute Ausschau halten.

Vom Krüger-Nationalpark geht es weiter in den Malolotja-Nationalpark im Nordwesten von Swasiland, welcher touristisch noch relativ wenig frequentiert wird und über zahlreiche, fantastische Wanderwege verfügt. Wir folgen einem dieser Pfade, welcher uns durch diese schroffe und zugleich wunderschöne Landschaft führt. Auf dem Rückweg sehen wir in einiger Entfernung mehrere Elandantilopen. Mit einem Glas südafrikanischen Pinotage-Weins lasse ich den Abend vor dem Kamin in einer der authentischen Blockhütten ausklingen.

Nach zwei Tagen verlassen wir Swasiland in Richtung St. Lucia, dem kleinen Küstenstädtchen im iSimangaliso-Wetland Park an der Südostküste Südafrikas. Das Gebiet gehört seit 1999 zum UNESCO Weltnaturerbe. Das Klima ist subtropisch und auf dem See tummeln sich zahlreiche Nilpferde und Krokodile. Im Uferdickicht sehen wir Reiher, Webervögel und einen majestätischen Weißkopfadler. Im nahe gelegenen Hluhluwe Game Reserve ist der Boden von duftenden Liliengewächsen übersäht. Immer wieder begegnen uns Rudel von Wildhunden. Wir verlassen St. Lucia am 3. Tag und setzen unsere Fahrt ins Landesinnere zu den Battlefields fort – Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Zulus, Briten und Buren. Unser erster Stopp ist Isandlwana. Hier führten 1879 ca. 20.000 Zulukrieger einen Überraschungsangriff gegen die in Unterzahl campierenden Briten durch. Die einzige Rückzugsmöglichkeit führte über unwegsames Gelände hinunter zum Buffalo River. Wir wandern entlang dieses sogenannten „Fugitive Trails“. Es ist heiß, der Weg führt über Steine und ein ausgetrocknetes Flussbett einen Hügel hinauf. Meine 1,5 L Wasserflasche ist nach drei Stunden leer und ich bin froh, dass wir den Rückweg antreten. Zum Glück haben wir erfahrene Bergsteiger in der Gruppe, die mir Ihre gut rationierten Wasservorräte anbieten. Von allen Wanderungen ist dies die anspruchsvollste. Ich versuche mir erst gar nicht vorzustellen, wie es gewesen sein muss diesen Weg hungrig und durstig, mit adrenalingetriebenen Zulu-Kriegern im Nacken, entlang zu stolpern. Im Museum ist nachzulesen, dass nur die berittenen Soldaten eine wirkliche Überlebenschance gehabt hätten. Überall am Wegesrand und auf dem ehemaligen Schlachtfeld sind weiße Steinhäufchen zu sehen, die wie ausgeblichene Skelette an die Verluste auf beiden Seiten erinnern.

Wir lassen die Battlefields hinter uns und treten die letzte Etappe unserer Rundreise an. Es geht in die majestätischen Drakensberge, welche die natürliche Grenze zwischen der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal und dem Binnenstaat Lesotho bilden. Von unserer Unterkunft hat man einen atemberaubenden Blick auf die Kulisse des berühmten Amphitheaters, eine acht Kilometer lange, fast senkrechte, 1000 Meter hohe Felswand im Royal Natal National Park. Wir beginnen unsere Wanderung in der Nähe des Besucherzentrums an der Ostseite des Parks. Es folgt ein gradueller Aufstieg auf schmalen Pfaden zu den zweithöchsten Wasserfällen der Welt – den Tugela-Fällen. Die eindrucksvollen Felsklippen des Amphitheaters ragen über uns auf, feuerrote Blüten des Zylinderputzerbaums säumen den Weg und das eiskalte, kristallklare Wasser des Tugela-Flusses verspricht angenehme Abkühlung. Den letzten Abend lassen wir in geselliger Runde mit einem landestypischen Grillabend ausklingen.

Christina Otto

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