Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Tansania – Ol Doinyo Lengai, heiliger Berg der Massai

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Der heilige Berg der Massai liegt im Norden Tansanias nicht weit vom Lake Natron entfernt, direkt an der Parkgrenze zur Ngorongoro Conservation Area. Anfang Dezember 2015 machte ich mich mit 2 Freunden auf den Weg, diesen 2960 Meter hohen, noch aktiven Vulkan zu besteigen. Der Vulkan ist der weltweit einzige, der eine sog. Karbonatitlava, eine max. ca. 600 °c heiße Lava fördert.
Wir machten uns am 08.12.2016 von Moshi auf dem Weg ins Ngorongoro-Hochland. Unsere ca. 4-stündige Fahrt führte uns von den Ausläufern des Kilimanjaro nach Arusha, der zweitgrößten Stadt Tansanias am Fuße des Mt. Meru und von da weiter nach Mto wa Mbu. Mto wa Mbu liegt am Ostafrikanischen Grabenbruch und ist Ausgangsort für Safaris im Lake-Manyara-Nationalpark. Kurz vor der Ortschaft bogen wir ab, in Richtung Norden. Die Piste führt entlang des Grabenbruchs, vorbei an wenigen kleinen Dörfern bis zum Lake Natron, den wir nach weiteren 3 Stunden und 3 Checkposten erreichten. Ca. 1 Stunde vor Erreichen den Sees, zeigte sich dieser formvollendete Vulkan und machte uns Appetit auf mehr. Die Nacht verbrachten wir im Lake Natron Tented Camp und hier machten wir auch gleich unseren Bergführer, ein Massai für die nächtliche Besteigung „klar“. Denn eine Ol Doinyo Lengai-Besteigung ist nur in Begleitung eines Massai möglich, welcher der Community am Lake Natron angehört. Wir hatten Glück, denn unser Rezeptionist war ein solcher Bergführer und dazu noch ein recht lustiger Zeitgenosse. Er ist 28 Jahre und schaute erst einmal recht verwundert, als wir ihm sagten, dass wir gegen 2 Uhr die Besteigung beginnen wollten. Er war der Meinung, dass alle Lengai Besteiger immer um 24 Uhr vom Camp starten und gegen 1 Uhr vom Fuße des Lengai den Aufstieg in Angriff nehmen… Naja, daraufhin einigten wir uns auf einen Start um 1 Uhr vom Camp. Frisch gestärkt sortierten wir noch unsere „Ausrüstung (Fleece Jacke und ca. 2 Liter Wasser) und legten uns gegen 21 Uhr schlafen. Leider war daran nicht zu denken, denn es war einfach viel zu warm. Es wehte kein Lüftchen und in unserem Zelt waren gefühlte 30 °C und somit waren wir froh, als gegen 00:30 unser Wecker klingelte und wir uns fertig machten für die Tour. Unser Fahrer und unser Guide waren pünktlich an der Rezeption, wir starteten also „on time“ zu unserem kleinen Abenteuer. Natürlich dauerte unsere Fahrt nicht 1 Stunde bis zum Starpunkt. Da es noch Regenzeit war, dauerte unsere Suche nach dem richtigen Weg doch etwas länger als gedacht. An dieser Stelle muss ich ein ganz großes Lob an unseren Fahrer richten, der Passagen meisterte, die selbst im Tageslicht nicht ohne waren… Ein Meister seines Fachs! Nun ja, um 3 Uhr waren wir dann an unserem Startpunkt zur Lengai-Besteigung. Wir packten schnell alles zusammen und liefen los durch Meter hohes Elefantengras. Der schmale Weg führte ca. 1 Stunde durch immer lichter werdendes Gras. Kurze Trinkpause und ab hier wurde es zusehends steiler. Der Boden unter unseren Füßen wurde immer härter bis er einer schmalen Betonplatte glich und nicht nur deren Aussehen hatte, sondern auch noch so klang, als ob es darunter hohl ist… Zugegeben ein etwas merkwürdiges Laufen. Aber genau auf diesen Rinnen festen Gesteins kam man am besten vorwärts und wir machten gut Höhenmeter. Gegen halb 5 wurde es dann auch heller und wir bekamen die Ausmaße unserer Aufstiegsroute zu Gesicht und dachten uns „meine Herrn, ein ganz schöner Zapfen“. Die letzte Stunde im Aufstieg (ca. 300 Höhenmeter) waren wir in ca. 50% steilem Gelände unterwegs, was mit einer guten Vibram® Sole recht gut zu meistern ist. Doch hier ist auch eine gewisse Vorsicht geboten, da lose kleine Steine ganz schnell ins Rollen versetzt werden können und nachfolgende Bergsteiger in Deckung gehen sollten. Wir passierten auf unserer rechten Seite den letzten Felsendom und dann standen wir auch schon am ehemaligen Kraterrand des Lengai, Schwefeldampf und Schwefelmatsch erwarteten uns. Hier war es bis zum letzten Ausbruch möglich, über das Kraterplateau zu laufen. Doch seit dem letzten Ausbruch erhebt sich hier ein ca. 30 Meter hoher Kraterdom, den es zu erklimmen gilt. Auch hier hat man wieder das Gefühl auf einer großen dünnen Betonkuppel zu laufen. Nach insgesamt 4,5 Stunden Aufstieg war es dann geschafft. Wir standen an einem spektakulären riesigen Krater, leider nebelverhangen, und hörten im Untergrund die Karbonatitlava dumpf wabern. Bei schönem Wetter soll man von hier einen fantastischen Rundumblick haben. Lake Natron, der Kilimanjaro und das Ngorongoro-Hochland sind bestens zu sehen. Nach ein paar Gipfelfotos im Nebel und viel Spaß mit dem Echo, das es hier überraschender Weise gibt (selbst unser Massai war begeistert), machten wir uns auf den ungemütlichen Abstieg. Hier muss ich sagen, dass ich es bereute, dass ich mir nur einen Stock mitgenommen hatte. 2 Trekkingstöcke sind hier einfach ein MUSS!!! Durch die Steile des Geländes und die vielen kleinen rollenden Steine, sind Trekkingstöcke einfach Gold wert. Am Ende hatten wir mit unserem bewölkten Gipfel noch Glück, da in diesem Fall die Sonneneinstrahlung nicht ganz so intensiv war.
Das Fazit einer solchen Besteigung: Wer Lust auf einen doch recht knackigen Kanten hat und einen spektakulären Krater sehen möchte, der ist an diesem Berg genau richtig. Hier wird im Aufstieg die Wade und im Abstieg der Oberschenkel gequält, doch es lohnt sich, selbst wenn man nicht allzu viel sieht.

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